Was ist Customizing?

Glossar · ERP & Odoo

Auch bekannt als: Anpassung von Standardsoftware, Konfiguration, Individualisierung, Software-Anpassung

Kurz erklärt

Customizing ist die Anpassung einer Standardsoftware an die Abläufe eines Unternehmens, etwa durch Einstellungen, zusätzliche Felder, Vorlagen und Workflows. Im engeren Sinn umfasst es nur Anpassungen ohne Programmierung, im weiteren auch eigene Erweiterungsmodule.

Drei Stufen der Anpassung

Der Begriff stammt aus der Welt der grossen ERP-Systeme. Dort meint Customizing traditionell alle Anpassungen, die ohne Programmierung möglich sind. Im Alltag wird er breiter verwendet. Hilfreich ist deshalb eine Unterscheidung in Stufen:

  • Konfiguration: Apps auswählen, Einstellungen setzen, MWST-Sätze, Nummernkreise und Vorlagen hinterlegen.
  • Anpassung ohne Code: zusätzliche Felder, angepasste Ansichten, eigene Berichte und Automatisierungen.
  • Erweiterung: eigene Module, die neue Funktionen ergänzen, ohne den Code des Herstellers anzutasten.
  • Modifikation: Eingriffe in den Standardcode – heute zu Recht verpönt, weil sie die Updatefähigkeit kosten.

Warum weniger oft mehr ist

Jede Anpassung muss bei künftigen Updates mitgezogen, geprüft und dokumentiert werden. Je mehr ihr umbaut, desto teurer wird jeder Versionswechsel. Darum lohnt sich vor jeder Anpassung die Frage: Ist unser Ablauf wirklich ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz – oder einfach eine Gewohnheit?

Standardabläufe einer verbreiteten Software sind oft erprobter, als man denkt. Wer sich an den Standard anlehnt und nur dort anpasst, wo es zählt, hat ein System, das mit jedem Update besser wird statt komplizierter. So viel Standard wie möglich, so viel Individualität wie nötig.

In Projekten hilft dabei eine Fit-Gap-Analyse: Für jede Anforderung haltet ihr fest, ob der Standard sie abdeckt, ob eine Einstellung reicht oder ob eine Lücke bleibt. Erst die Lücken werden bewertet – nach Nutzen, Aufwand und den Folgekosten bei künftigen Updates.

Customizing in Odoo

In Odoo deckt die Konfiguration bereits viel ab. Für Anpassungen ohne Code gibt es Odoo Studio, Teil von Odoo Enterprise: Felder, Ansichten, Berichte, Automatisierungen und Genehmigungsabläufe legt ihr damit selbst an. Weil dafür kein eigener Code nötig ist, funktioniert das auch auf Odoo Online.

Komplexe Logik, Schnittstellen oder Abläufe über mehrere Apps gehören in ein eigenes Modul, das sich versionieren und testen lässt. Solche Module laufen allerdings nicht auf Odoo Online, sondern nur auf Odoo.sh oder einem eigenen Hosting.

Worauf ihr achten solltet

Dokumentiert jede Anpassung: was sie tut, warum es sie gibt und wer sie verantwortet. Testet vor jedem Update mit einer Kopie eurer Datenbank, ob alles noch funktioniert. Und klärt, wer eigenen Code pflegt – die Wartung von Eigenentwicklungen ist nicht Teil des Odoo-Abos. Haltet ausserdem fest, wem der Code eurer Module gehört und wo er liegt, damit ein späterer Partnerwechsel nicht an fehlendem Quellcode scheitert.

Wir schauen zuerst, ob der Standard eine Anforderung schon abdeckt, und entwickeln erst, wenn nicht. Wie wir dabei vorgehen, steht bei den individuellen Anpassungen.

Häufige Fragen zu Customizing

Deine Frage ist nicht dabei? Frag uns direkt – das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Was ist der Unterschied zwischen Customizing und Programmierung?

Customizing im engeren Sinn passt eine Software über Einstellungen und Werkzeuge an, ohne Code zu schreiben. Sobald neue Funktionen programmiert werden, spricht man von Erweiterung oder Eigenentwicklung.

Bleiben Anpassungen bei einem Odoo-Update erhalten?

Studio-Anpassungen werden beim Upgrade grundsätzlich mitgenommen, eigene Module müssen für die neue Version angepasst werden. In beiden Fällen lohnt sich ein Testlauf mit einer Kopie der Datenbank.

Kann man Odoo ohne Programmierkenntnisse anpassen?

Ja, mit Odoo Studio, das zu Odoo Enterprise gehört. Damit legt ihr Felder, Ansichten, Berichte und einfache Automatisierungen selbst an.

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