Was ist der Kontenrahmen KMU?

Glossar · Finanzen & Schweiz

Auch bekannt als: Schweizer Kontenrahmen KMU, KMU-Kontenplan, Kontenplan Schweiz

Kurz erklärt

Der Kontenrahmen KMU ist die in der Schweiz verbreitete Mustervorlage für die Konten kleiner und mittlerer Unternehmen. Er gliedert alle Konten in neun nummerierte Klassen und dient als Basis für den eigenen Kontenplan.

Herkunft und Stellenwert

Der «Schweizer Kontenrahmen KMU» stammt vom Fachverband SwissAccounting (früher veb.ch) und ist als Buch beim Verlag SKV erhältlich. Die erste Fassung erschien bereits 1947. Als 2013 das neue Rechnungslegungsrecht im Obligationenrecht in Kraft trat, wurde er umfassend überarbeitet, die aktuelle Neuauflage von 2023 berücksichtigt die Aktienrechtsreform.

Gesetzlich vorgeschrieben ist er nicht. Das Obligationenrecht verlangt eine ordnungsgemässe Buchführung und eine Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung, überlässt euch aber die Wahl der Konten. In der Praxis arbeiten trotzdem fast alle damit: Lehrmittel, Treuhänder und Buchhaltungssoftware orientieren sich am Kontenrahmen KMU. Das macht ihn zur gemeinsamen Sprache zwischen euch und eurem Treuhandbüro.

Die neun Kontenklassen

Die Konten sind vierstellig und nach Klassen geordnet. Die Klassen 1 und 2 bilden die Bilanz, 3 bis 8 die Erfolgsrechnung, 9 den Abschluss:

  • 1 Aktiven, zum Beispiel 1000 Kasse, 1020 Bankguthaben, 1100 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • 2 Passiven, zum Beispiel 2000 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, 2200 Umsatzsteuer
  • 3 Betrieblicher Ertrag aus Lieferungen und Leistungen, zum Beispiel 3200 Handelserlöse, 3400 Dienstleistungserlöse
  • 4 Aufwand für Material, Handelswaren, Dienstleistungen und Energie
  • 5 Personalaufwand, zum Beispiel 5000 Lohnaufwand, 5700 Sozialversicherungsaufwand
  • 6 Übriger betrieblicher Aufwand, Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie Finanzergebnis
  • 7 Betrieblicher Nebenerfolg
  • 8 Betriebsfremder, ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag
  • 9 Abschluss

Vom Kontenrahmen zum eigenen Kontenplan

Der Kontenrahmen ist die Vorlage, euer Kontenplan das, was ihr davon wirklich nutzt. Konten, die ihr nicht braucht, lasst ihr weg, branchentypische ergänzt ihr – die Struktur der Klassen bleibt dabei erhalten. Die Reihenfolge der Klassen 3 bis 8 ergibt übrigens eine mehrstufige Erfolgsrechnung: erst der Betriebsertrag, dann Material- und Personalaufwand, dann der übrige Aufwand. So lassen sich Zwischenergebnisse wie der Bruttogewinn direkt ablesen.

Ein häufiger Fehler ist ein Kontenplan mit hundert Unterkonten, weil jede Auswertung ein eigenes Konto bekommen soll. Besser: Konten schlank halten und Fragen wie «Was kostet Abteilung X?» über Kostenstellen beantworten. So bleibt die Bilanz lesbar, und die Auswertung trotzdem fein.

Der Kontenrahmen KMU in Odoo

Die Schweizer Lokalisierung der Odoo Buchhaltung bringt den KMU-Kontenrahmen mit, inklusive der Konten für die MWST, die bereits mit den Steuersätzen verknüpft sind. Bei der Einführung gleichen wir ihn mit eurem bisherigen Kontenplan ab, übernehmen die Saldovorträge im Rahmen der Datenmigration und stimmen das Ergebnis mit eurem Treuhänder ab. Der findet sich dann ohne Einarbeitung zurecht, weil die Nummern dieselben sind wie überall.

Häufige Fragen zu Kontenrahmen KMU

Deine Frage ist nicht dabei? Frag uns direkt – das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Ist der Kontenrahmen KMU obligatorisch?

Nein. Das Gesetz schreibt nur eine ordnungsgemässe Buchführung und eine Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung vor. Der Kontenrahmen KMU ist aber der Standard, mit dem Treuhänder und Software in der Schweiz arbeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?

Der Kontenrahmen ist die allgemeine Vorlage mit allen möglichen Konten. Der Kontenplan ist die auf euren Betrieb zugeschnittene Auswahl, mit der ihr tatsächlich bucht.

Welche Kontenklassen gibt es?

Neun: 1 Aktiven, 2 Passiven, 3 bis 8 die Ertrags- und Aufwandsklassen der Erfolgsrechnung und 9 den Abschluss.

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