Kurz erklärt
MRP steht für Material Requirements Planning, die Materialbedarfsplanung: Aus Aufträgen, Prognosen, Stücklisten und Lagerbeständen berechnet sie, welches Material in welcher Menge bis wann beschafft oder produziert werden muss.
Wie die Materialbedarfsplanung rechnet
Die Logik ist einfacher, als der Name klingt. Ausgangspunkt ist der Bedarf an Fertigprodukten aus Aufträgen und Prognosen. Über die Stückliste wird er Ebene für Ebene in den Bedarf an Baugruppen und Material aufgelöst. Davon zieht die Planung den Lagerbestand und bereits bestellte Mengen ab. Übrig bleibt der Nettobedarf.
Dann kommen die Vorlaufzeiten ins Spiel: Braucht der Lieferant zwei Wochen und die Baugruppe drei Tage in der Werkstatt, muss die Bestellung entsprechend früher raus. Das Ergebnis sind terminierte Vorschläge für Einkaufs- und Fertigungsaufträge.
MRP I und MRP II – der Unterschied
Die klassische Materialbedarfsplanung, heute oft MRP I genannt, verbreitete sich ab den 1960er-Jahren, als Computer solche Stücklistenauflösungen erstmals in vernünftiger Zeit rechnen konnten. Geprägt hat sie vor allem Joseph Orlicky, dessen Buch «Material Requirements Planning» 1975 erschien. MRP I plant nur das Material und geht von unbegrenzten Kapazitäten aus.
MRP II steht für Manufacturing Resource Planning und erweitert den Ansatz um die übrigen Ressourcen: Maschinen- und Personalkapazitäten, Produktionsprogramm, Werkstattsteuerung und die Verbindung zu den Finanzen. Aus diesen Systemen entwickelten sich später die heutigen ERP-Systeme. Wer heute von MRP-Software spricht, meint meist diese erweiterte Form.
Wann sich MRP für KMU lohnt
Eine Materialbedarfsplanung lohnt sich, sobald ihr Produkte aus mehreren Komponenten herstellt, Material mit längeren Lieferzeiten braucht oder mehrere Aufträge um dieselben Maschinen konkurrieren. Spätestens wenn die Werkstatt regelmässig auf fehlende Teile wartet, ist es Zeit.
Der Nutzen zeigt sich auf zwei Seiten: weniger Fehlteile in der Werkstatt und weniger Geld, das in Material auf Vorrat gebunden ist. Gerade bei Einzel- und Kleinserienfertigung, wie sie viele Gewerbebetriebe kennen, liegt die Kunst darin, genau das zu beschaffen, was die konkreten Aufträge brauchen – nicht mehr und nicht später.
Voraussetzung sind verlässliche Daten: aktuelle Stücklisten, korrekte Bestände aus der Lagerverwaltung und realistische Lieferzeiten. Stimmen diese nicht, rechnet auch das beste System zuverlässig falsch.
MRP in Odoo
Odoo führt seine Produktions-App selbst unter dem Namen «Manufacturing (MRP)», auf Deutsch Odoo Fertigung. Die App verbindet Stücklisten, Arbeitsplätze und Fertigungsaufträge mit Lager und Einkauf. Den Nachschub steuert ihr über Nachbestellregeln oder auftragsbezogene Beschaffung. Für die mittelfristige Planung gibt es den Master Production Schedule (MPS), der aus Prognosen und tatsächlicher Nachfrage Beschaffungsvorschläge macht, die ihr prüft und auslöst.
Weil alles in einem System liegt, gehören auch Qualitätskontrollen und die Wartung von Maschinen dazu. So sieht die Produktion Prüfresultate und Wartungstermine am selben Ort wie ihre Aufträge.
Häufige Fragen zu MRP
Deine Frage ist nicht dabei? Frag uns direkt – das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
Ist MRP dasselbe wie ERP?
Nein. MRP plant Material und Produktion, ein ERP-System deckt zusätzlich Verkauf, Buchhaltung, Personal und mehr ab. Historisch gilt MRP II als Vorläufer von ERP, und in modernen ERP-Systemen wie Odoo ist die MRP-Funktion ein Teil des Ganzen.
Was ist der Unterschied zwischen MRP I und MRP II?
MRP I berechnet nur den Materialbedarf. MRP II (Manufacturing Resource Planning) bezieht zusätzlich die Kapazitäten von Maschinen und Personal, die Produktionsplanung und die Finanzen mit ein.
Brauchen wir für MRP eine eigene Software?
Nicht unbedingt. Laufen Lager, Einkauf und Verkauf schon im ERP, ist die Materialbedarfsplanung dort am besten aufgehoben, weil sie auf dieselben Bestände und Aufträge zugreift. In Odoo ist das die App Fertigung.